Tierreport – Offizielles Organ des Schweizer Tierschutz STS
Tierreport – Offizielles Organ des schweizer Tierschutz STS

Kollege Hund

Leonie Moeri ist Partner und Senior Project Manager bei der Kommunikationsagentur JEFF in Zürich. Die zweieinhalbjährige Mischlingshündin Leela begleitet sie jeden Tag zur Arbeit. (Foto: David Hubacher)

Leonie Moeri ist Partner und Senior Project Manager bei der Kommunikationsagentur JEFF in Zürich. Die zweieinhalbjährige Mischlingshündin Leela begleitet sie jeden Tag zur Arbeit. (Foto: David Hubacher)

Leonie Moeri ist Partner und Senior Project Manager bei der Kommunikationsagentur JEFF in Zürich. Die zweieinhalbjährige Mischlingshündin Leela begleitet sie jeden Tag zur Arbeit. (Foto: David Hubacher)

Hunde am Arbeitsplatz sorgen in vielen Fällen für mehr Wohlbefinden und fördern die Kommunikation. Was es alles zu beachten gilt, damit sich Mensch und Hund wohlfühlen.

Simon Hubacher

Jeder elfte Berufstätige in der Deutschschweiz nimmt seinen Hund zumindest gelegentlich mit zur Arbeit. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Karriereportals Xing im Sommer 2016. Jeder Vierte heisst die Vierbeiner willkommen – knapp ein Drittel der Befragten stört sich daran, wenn Kollegen ihren Hund mit zur Arbeit bringen. Einen deutlichen Unterschied gibt es zwischen den Geschlechtern: Frauen freuen sich eher über Bürohunde, Männer stören sich eher daran. Hunden am Arbeitsplatz wird eine ganze Reihe von positiven Effekten zugesprochen. So finden 50 Prozent der Befragten, dass Hunde die soziale Gemeinschaft unter Kollegen stärken können. Zudem fördern Hunde die Bewegung (finden 50 Prozent), senken das Stresslevel (finden 44 Prozent) und spenden Trost (finden 44 Prozent).

Hunde verstärken den Zusammenhalt

Im Hundeland Schweiz, in dem über eine halbe Million registrierte Hunde leben, ist Nestlé ein erstes Grossunternehmen, das Vierbeiner am Arbeitsplatz offiziell willkommen heisst. Am Standort in La Tour-de-Peilz VD machen derzeit 15 Mitarbeiter der Nestlé-Tiernahrungstochter Purina von der Möglichkeit Gebrauch, ihren Hund zur Arbeit mitzunehmen. An einem Testtag wird geschaut, ob das Tier umgänglich und an die Präsenz fremder Menschen und Artgenossen gewöhnt ist. Ist dies der Fall, darf der Hund nach vorheriger Reservation eines Platzes zur Arbeit mitgebracht werden. Das bisherige Feedback ist gemäss Nestlé einheitlich positiv: Die Organisation des Arbeitstages erleichtert sich für die Angestellten. Hunde fördern das Zugehörigkeitsgefühl zum Unternehmen und verstärken den Zusammenhalt der Mitarbeiter. Eine andere Grossfirma, die Hunde begrüsst, ist Google, das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt. Nicht nur am Standort Schweiz in Zürich, sondern weltweit ist es den Mitarbeitern von Google grundsätzlich erlaubt, ihre Hunde mit an den Arbeitsplatz zu nehmen. Vorausgesetzt wird einzig, dass die unmittelbaren Arbeitskollegen damit einverstanden sind.

Rücksicht nehmen

Tierärztin Julika Fitzi ist Leiterin der Hundefachstelle beim Schweizer Tierschutz STS. Sie begrüsst es, wenn Hunde am Arbeitsplatz willkommen sind, sofern «es die betriebliche Situation zulässt». Sie plädiert für «mehr Offenheit bei den Unternehmen», fordert aber gleichzeitig klare Regeln, damit Mensch und Hund am Arbeitsplatz miteinander auskommen: «Rücksichtnahme ist enorm wichtig. Die Kollegen müssen einverstanden sein, sonst können ungeklärte Konflikte entstehen.» Hilfreich kann beispielsweise sein, wenn Hundehalter neuen Kollegen ihren Hund vorstellen und sie mit Eigenheiten und Verhaltensweisen vertraut machen. «So fördern Hunde die Kommunikation und bieten Anknüpfungspunkte unter den Mitarbeitern», sagt Hundefachfrau Julika Fitzi.

Rechtliche Voraussetzungen

Rechtlich braucht es für Hunde eine Mitnahmeerlaubnis des Arbeitgebers, die nur mit guten Gründen wieder entzogen werden darf. Das Wohl des Hundes muss gewährleistet sein, der Arbeitsbetrieb darf nicht gestört werden. Der Arbeitgeber muss dem Hundehalter die erforderliche Zeit für die veterinärmedizinische Versorgung geben, selbst wenn der vierbeinige Liebling nicht mit an den Arbeitsplatz darf.

«Der Bürohund schafft positive Identität»

Leonie Moeri ist Partner und Senior Project Manager bei der Kommunikationsagentur JEFF in Zürich. Die zweieinhalbjährige Mischlingshündin Leela begleitet sie jeden Tag zur Arbeit.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit «Agenturhund Leela»?

Sie sind allesamt super, das Feedback ist extrem positiv. Viele Kollegen buhlen um ihre Gunst, mit regelmässigen Streicheleinheiten, mit Spielen oder – bei ihr besonders effektiv – extra gekauften Hundekeksen. Die täglichen kurzen und längeren Runden an der frischen Luft unter­brechen den Arbeitsalltag, was ich nicht mehr missen möchte. Immer wieder verlegen wir kreative Meetings auf einen Hundespaziergang.

Sind Hunde in der Agentur generell erlaubt?

Ja – vorausgesetzt, dass sie sich untereinander und mit den (meisten) Mitmenschen verstehen. Gelegentlich bringen Kollegen Hunde mit, die sie hüten. Leela ist die einzige Hündin mit «Fest­anstellung». Für sie wäre ein weiterer Vierbeiner keine Sache, da sie sich mit anderen Hunden bestens versteht und ihr Revier teilen kann, daheim oder in der Agentur.

Was spricht für «Kollege Hund»?

Der Bürohund schafft positive Identität. Leela gehört effektiv zum Team, nicht nur auf der Website. Sind neue Kunden bei uns zu Besuch, wird sie bei einer Führung durch die Räumlichkeiten vorgestellt – wie jeder andere Mitarbeiter auch. Und erntet in der Regel die meisten Sympathien. Es gab schon Kunden, die explizit gewünscht haben, dass sie bei einem Meeting mit dabei ist.

Wo kann es Probleme geben?

Nicht alle Menschen mögen Hunde – das ist für mich zwar eigenartig, aber dennoch zu
respektieren. Der Hund muss sich im Büro und mit Menschen wohlfühlen und sich ein gewisses Grundverhalten gewohnt sein. Leela bellt relativ selten. Würde sie Fremde anknurren, wäre dies in unseren Grossraumbüros ein Problem. Sie kann auch nicht an jedes Meeting und jeden Event mitkommen. Ich organisiere dann jeweils, wer zu ihr schaut.

Wo verbringt Leela ihren Tag auf der Agentur?

Sie ist zu 95 Prozent bei mir. Leela ist in erster Linie mein privater Hund und erst danach auch Agenturhund. Das ist mir extrem wichtig: Es muss klar jemand zuständig sein. Wenn wir morgens im Büro ankommen, rennt sie als Erstes in die Grafikabteilung, um sich den täglichen Keks abzuholen. Danach wirft sie sich in ihr Bett unter meinem Tisch, pendelt zwischen diesem und ihrem sonnigen Fensterplatz mit Schaffell und schläft die meiste Zeit.

Tags: Tierreport 4/16

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